Knuts geschenkte Kosmetikbrüder – oder – Was von der Wende übrig blieb.
Was ist eigentlich von der Wende übrig geblieben? Erinnern wir uns an die Runde-Tisch-Gespräche, die Hoffnungen, die wir darauf gesetzt haben, die Aufbruchsstimmung, die politischen Ideale, die wir durchsetzen wollten? Bei einer älteren Apothekenkundin ist es offensichtlich etwas ganz anderes.

Die Apotheke, in der ich arbeite, befindet sich im neuen und altem Osten von Berlin. Im Rahmen der Aktion einer Kosmetikfirma gab es ein Plüschbärchen (Made in China) geschenkt, wenn man zwei Artikel besagter Firma gekauft hat. Besagte Apothekenkundin kam zu mir und sagte:
- Ich hätte gerne so ein Bärchen und eine Packung ASS. (Am liebsten hätte Sie vermutlich sowieso ein seit 40 Jahren nicht mehr auf dem Markt befindliches altes Weidenrinden Ostpräperat gehabt.)
- Das Bärchen bekommen Sie geschenkt, wenn Sie zwei Kosmetikartikel der Firma Frankenstein Kosmetika (Firmenname geändert) kaufen. Ansonsten kostet das Bärchen 4,50 EUR, weil wir diese so nicht abgeben dürfen.
- Es kann doch nicht sein, dass man für alles und jedes bezahlen muss. Nach der Wende war das so schön, weil wir sowas alles immer gratis geschenkt bekommen haben, wenn wir im Westen etwas eingekauft hat.
Solche Diskussionen führe ich genauso wenig, wie diese, die mit “Früher war alles billiger” oder aber “in Türkei kostet die Packung aber nur ein viertel Ihres Preises” (das sind auch die Leute, die sich zwar hier beschweren kommen, sich die Medikamente aber aus der Türkei besorgen und uns hier allmählich das Wasser abgraben) beginnen.
Bei uns am Abendbrottisch haben wir seinerzeit darüber diskutiert, was im Osten schief gelaufen ist und ob Reisefreiheit und Vielfalt nicht innerhalb des Ostblocks hätte funktionieren können. Von geschenkten Bärchen war da nie die Rede. Und außer dem Begrüßungsgeld kann ich mich auch an kein Geschenk erinnern. So bleiben doch sehr unterschiedliche Erinnerungen an die Zeit der Wende.

Erzählung von: Dr. Annette Hildmann (geb. in Dresden)
Aufzeichnungen und Fotos: Thomas Hildmann (geb. in Berlin (West))
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