"Das Vergangene ist nicht tot. Es ist nicht einmal vergangen. Wir trennen es von uns ab und stellen uns fremd."
(Christa Wolf)

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Mühlhausen 1990 (2)


Das pralle und quirlige Leben auf der Straße stand in einem ganz eigenartigen Kontrast zum Zustand der Häuser, zumindest in der Innenstadt, in deren großzügig angelegter Fußgängerzone im Sommer 1990 noch viel echter Ost-Charme übrig war.
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Begegnungen im Drüben | grapf @ 16.12.2005 | Comments (0)   

Eis-Revue


Es war nicht allein, daß die Bananenbestände in Göttingens Supermärkten über Monate ausverkauft waren. Man witzelte darüber, war aber gelegentlich, wenn man denn mal selber eine Banane brauchte, ganz schön genervt deswegen.
Aber auch drüben, wie hier im wunderschönen Städtchen Mühlhausen, bekam man den Eindruck, daß die Sehnsucht nach Genußmitteln sehr lange sehr ungestillt war. Eine ganze Innenstadt mit Eis schleckenden Menschen.

Wirtschaft | grapf @ 05.12.2005 | Comments (1)   

In den ersten Nächten

Im Winter 89 auf 90 war ich Taxifahrer, Nachschicht. Es war eine gute Saison, wahrscheinlich eine der besten, die die Göttinger Taxifahrerzunft je erlebt hat. Es machte Spaß. Im späteren Verlauf der Nacht traf man sich regelmäßig am Markt, dem zentralen Platz in der Fußgängerzone. Dorthin gehen die Göttinger aus den Kneipen der Innenstadt zu Fuß, um sich dann in die äußeren Stadtteile oder auf die Dörfer fahren zu lassen.
In einer dieser lausig naßkalten Nächte kamen sie. Es war irgendwas zwischen zwei und drei Uhr, als im Funk die ersten Trabbi-Sichtungen durchgegeben wurden. Zuerst in den südlichen Vordörfern, bald darauf in Geismar.
Und waren diese Meldungen auch schon äußerst exotisch, so konnte man es sich gerade wegen dieser Exotik eigentlich gar nicht vorstellen, daß es wahr sein sollte. Der Funkzentralist reagierte entsprechend skeptisch, einige andere Fahrer pöbelten dazwischen, man solle mit diesem Unsinn aufhören. Bis uns plötzlich auch am Markt das charakteristische Zweitakter-Motorengeräusch hochschrecken ließ. Eine Karawane von sieben oder acht Trabbis materialisierte sich da am Anfang der Weender Straße und schaukelte diese gnadenlos entlang, ohne Rücksicht auf Fußgängerzonenschilder, einmal längs, einmal quer. Wir stiegen aus und waren eine ganze Weile mit unseren Unterkiefern beschäftigt, die nur herabhingen und nicht wieder hoch wollten.
Wir blickten die Straße lang und sahen sie queren, von links nach rechts, vor und wieder zurück, eine zu völlig unsinniger Zeit gänzlich surreal anmutende Stadtbesichtigung, die schließlich genau bei uns endete. Denn die Trabbipiloten hatten nach einer knappen halben Stunde realisiert, daß wir Taxifahrer die einzigen Göttinger waren, die sich in dieser Nacht noch wach hielten.
Sie fuhren vor und umstellten uns mit ihren öttelnden Töfftöffs. Zwischen unseren Daimlerdieseln wirkten die kleinen Autos wie Spielzeug. In den engen Straßen wurde die Luft enorm schnell enorm dick und bläulich. Ich erinnere mich noch sehr deutlich, wie bekannt mir dieser Geruch vorkam. Bekannt, aber ohne daß ich hätte sagen können woher. Wie aus einem früheren Leben. Noch intensiver war dieser Eindruck einige Tage später, als ich das erste Mal drüben den Geruch der Braunkohleheizungen inhalierte.
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Kontaktaufnahme | grapf @ 30.11.2005 | Comments (0)