Als Berliner (West) hatten wir alle mehrmals schon die andere Seite der Stadt besucht. Von allem, was dahinter kam, kannten wir immer nur kilometerlange Betonstraßen, ohne Mittelstreifen, auf denen man 100km/h fahren durfte und regelmäßig von Trabbis überholt wurde, nur um dann an der nächsten Ecke von der Volkspolizei darüber aufgeklärt zu werden, daß unsere Auslegung von 100km/h nicht den hier geltenden Normen entspräche. Der dort regelmäßig abgegebene Förderbeitrag für die DDR wich dann später dem Solidaritätsbeitrag.

Kaum war die Grenze offen, wollten wir sehen, was wir verpaßt hatten. Ich erinnere mich noch genau daran, wie wir jede Werbung für ein “Westprodukt” missbilligten. Eigentlich wollten wir den wilden Osten so kennenlernen, wie er war. Und so fuhren wir dieses Mal nicht im Auto, sondern auf dem Rad die Straßen runter und atmeten die typische Mixtur aus Feld, Wald und Zweitakterabgasen.
Zu dieser Zeit versuchte man mir beizubringen, daß man auf Fotos vor allem Menschen sehen will. Die Portraits von dieser Reise sind zum Teil sehr schön. Und das, obwohl ich noch nie irgendetwas übers Fotografieren gehört oder gesehen hatte. Alles, was ich zu dieser Zeit dabei hatte war mein West-Equipment bestehend aus einer Canon AE-1 mit einem einfachen 50mm Festobjektiv und ein paar original DDR ORWO-Filme, die wir seiner Zeit zu absoluten Spottpreisen aus der DDR bezogen. Leider gibt es daher aus dieser Schaffensperiode nicht sonderlich viele echte Zonen-Eindrücke. Die, die es gibt, werde ich hier jedoch in nächster Zeit vorstellen.